Migration und Pflege: Kultursensible Pflege bedeutet Begegnungen auf Augenhöhe

Veröffentlicht am 04.06.2012 in Veranstaltungen

Mehr als 60 interessierte Bürgerinnen und Bürger besuchten die Veranstaltung „Migration und Pflege: Herausforderungen und Perspektiven“ zu der die Jusos Mannheim, die SPD-Arbeitsgemeinschafen für Arbeitnehmerfragen (AfA) und sozialdemokratischer Frauen (AsF) und der SPD-Ortsvereine Neckarstadt-Ost, Neckarstadt-West und Waldhof-Luzenberg eingeladen hatten. Den Schwerpunkt der Veranstaltung bildete die Diskussion um den Vorteil der Mehrsprachigkeit von Pflegekräften und interkultureller Kompetenz.

„Eine gute kultursensible Pflege baut auf drei Dingen auf: Erstens muss der Anteil der Migrantinnen und Migranten in den Pflegediensten erhöht werden, zweitens müssen die pflegenden Privatpersonen, die Familienmitglieder pflegen, mehr Unterstützung erhalten und drittens müssen Kommunen Bedarfe deutlicher formulieren. Denn Berlin kann nicht diktieren, was Mannheim braucht.“, stellt die Hilde Mattheis heraus. Die stellvertretende gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion legte die Positionen der Partei dar.

Gabriella Zanier vom Forum für kultursensible Pflege der Caritas Frankfurt machte deutlich, dass die Herausforderungen im Pflegesystem nur mit massiven finanziellen Investitionen und einem Umdenken in der Personalentwicklung gemeistert werden können. Sie forderte beispielsweise mehr Unterstützung bei der sprachlichen Fortbildung des bestehenden Pflegepersonals. Weiterhin hob sie hervor, dass eine kultursensible Pflege nicht nur Mehrsprachigkeit, sondern auch interkulturelle Kompetenz sowie eine Anpassung der Rahmenbedingungen erfordert. Pflegedienstleiterin Sabine Seifert betonte, dass bereits bei der Ausbildung darauf geachtet werden müsse interkulturelle Kompetenz zu vermitteln und Sprachkenntnisse bei der Personalauswahl zu berücksichtigen.

Der Vertreter des Mannheimer Migrationsbeirates Fatih Ekinci verdeutlichte, welch großes Potenzial insbesondere bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund stecke. Ekinci sieht ohne eine ausreichende Zahl von Pflegekräften aus verschiedenen Kulturkreisen keine Möglichkeit zur kultursensiblen Pflege. Ver.di-Geschwerkschaftssekretärin Mia Lindemann kritisierte die aktuelle Personalbemessung für Pflegeeinrichtungen und forderte eine bedarfsorientierte Ausrichtung. Außerdem sei die Vermeidung eines "Brain Drain", dem Abziehen von gut ausgebildeten Fachkräften aus ärmeren Ländern, und damit das Umgehen der Finanzierung der Ausbildung in Deutschland, ein wichtiger Aspekte guter Pflege.

„Die Diskussion hat gezeigt, dass wir viele Anknüpfungspunkte für die Kommunalpolitik identifizieren konnten; etwa bei der Unterstützung bei der Vernetzung von Pflegeeinrichtungen und Expertinnen und Experten für kultursensible Pflege.“, fasst der Juso-Kreisvorsitzende Christian Dristram zusammen und ergänzt weiter: „ Andererseits waren sich alle einig, dass die Führungsebenen der Pflegeeinrichtungen selbst für die Thematik von pflegebedürftigen Migrantinnen und Migranten sensibilisiert werden müssen.“

Auf dem Foto (v.l.n.r.): Mia Lindemann (ver.di Gewerkschaftssekretärin), Fatih Ekinci (Migrationsbeirat), Mark Fischer (Jusos Mannheim; Moderation), Hilde Mattheis (MdB), Sabine Seifert (Pflegedienstleiterin) und Gabriella Zanier (Caritas Frankfurt)

 

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